Jeder darf, keiner muss

Manche Nachrichten sind eigentlich nicht der Nachricht an sich wert, sondern es geht da, wie so oft bei Streitigkeiten, lediglich um das Prinzip. So erreicht uns die Nachricht aus Oxford, dass Männer jetzt auch Röcke und Frauen auch Hosen zum Examen tragen dürfen.

Die Nachricht heißt: Jeder darf alles. Wenn nun Hip-Hop-Fashion oder Smoking, auch an der elitären Oxford Universität getragen werden dürfen, dann ist wohl wirklich gewährleistet, dass die Moderne auch da endgültig angekommen ist. Denn die Begründung klingt bekannt: transsexuelle Studenten könnten sich diskriminiert fühlen von den geschlechterspezifischen Vorgaben der Kleidung.

So haben beispielsweise auch Frauen dafür gekämpft, Hosen tragen zu dürfen und wählen zu gehen oder bei der Hip-Hop-Fashion mitzumischen. Der Diskriminierung gegen Homosexuelle, Ausländer oder sonstiger so bezeichneter Randgruppen wird schon lange erfolgreich entgegengewirkt und der Wandel der emanzipatorischen Sozialpolitik wird immer auffälliger.

Ob das Verankern dieser neuen Kleiderregeln in der Universitätsordnung wohl den Studenten das Leben erleichtert bleibt allerdings abzuwarten. So richtig kann man sich das noch nicht vorstellen. Sollte ein transsexueller nun erfreut mit Rock und Stöckelschuhen zur Prüfung erscheinen und sich damit von allen gesellschaftlichen Ketten befreit fühlen?

Wenn man die Idee weiter denkt gilt das ja auch für weitere Subkulturen. Vielleicht fühlt sich ein Student nur in Hip-Hop-Fashion Outfits wohl, nicht aber in schwarzer Hose und weißem Hemd. Er könnte sich in diesem akademischen Umfeld ebenso diskriminiert fühlen.

Konsequenterweise müsste also nicht nur die Universität Oxford ihre Regeln erneut ändern. Nicht nur Hip-Hop-Klamotten sollten dann erlaubt sein, sondern auch Hippie Oberteile, Second-Hand Stücke, die Picaldi Hose, oder aber das bauchfreie Top. Denn wir sind alle verschieden und jeder fühlt sich in anderen Anziehsachen wohl. Die Regel muss also heißen: Jeder darf alles tragen, keiner muss. Womit wir wieder am Anfang sind, denn wenn man tragen darf, was man will, kann man leichter kategorisieren. Dann muss wieder dafür gekämpft werden, dass alle das Gleiche tragen. Wie sagte meine Oma immer: Allen recht getan ist eine Kunst die niemand kann.

Bilddatei: mrs-art – FotoliaSimilar Posts: