Das Rückgaberecht beim Online-Shopping und im Einzelhandel

Paar kauft über das Internet einIm Einzelhandel kann der Kunde jedes Produkt nicht nur durch eine oder mehrere Abbildungen sehen, sondern es auch anfassen und die Qualität und Verarbeitung prüfen. Deshalb fragen sich viele, ob es denn beim Online Shopping weitergehende Rückgaberechte als im Einzelhandel gibt und ob vielleicht besondere Aktionen, Restposten oder Tiefpreise ganz von der Rückgabe-möglichkeit ausgeschlossen wären. Wenn Sie sich näher damit beschäftigen, dann erkennen Sie, wie kundenfreundlich die deutsche Gesetzgebung in der Tat ist und welche Rechte Sie geltend machen können.

Die bedingungslose Umtauschverpflichtung beim Online Shopping

Das Fernabsatzgesetz sieht für alle Kaufverträge, die ausschließlich bei telefonischer Beratung oder im Internet abgeschlossen worden sind, ein uneingeschränktes 14-tägiges Widerrufsrecht nach Lieferung der Ware vor. Damit trägt der Gesetzgeber dem Umstand Rechnung, dass Waren im Internet nicht angesehen werden können und manchmal anders ausfallen, wie der Kunde sich dies vorgestellt hat. Deshalb gilt hier das erweiterte Umtauschrecht! Bei Nichtgefallen oder auch ohne Angabe von Gründen gibt es das Geld zurück, was im stationären Einzelhandel so nicht der Fall ist. Im Einzelhandel gibt es den Umtausch lediglich als Kulanzleistung und dieser ist dort oftmals nicht mit der Auszahlung des Kaufpreises, sondern nur mit der Ausstellung eines Gutscheines verbunden. Denn dort ist der Kaufvertrag mit der Übergabe der Ware abgeschlossen, wenn der Kaufpreis bezahlt und die Ware einwandfrei ist. Beim Online Shopping gilt dagegen das erweiterte Umtauschrecht ohne „Wenn und Aber“. Der Kunde muss lediglich einen Wertersatz leisten, wenn er das Gerät oder den Gegenstand extensiver nutzt, als er dies im Ladengeschäft oder bei einem kurzen Test tun würde. Allerdings sollte jeder auch an die Kosten denken, die bei einem Umtausch entstehen und dieses Privileg sorgfältig und nach Abwägung nutzen.

Bei berechtigten Reklamationen gilt die gleiche Gewährleistung

Einige Rechte der Kunden sind aber im Einzelhandel und beim Online Shopping gleich: Käufer haben in praktisch allen Fällen Anspruch auf eine fehlerfreie Ware und können bei Fehlen der Eigenschaften oder wenn der Artikel zu früh defekt wird, Garantieansprüche geltend machen. Dies gilt in allen Fällen es sei denn, es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen. Wer bei Bekleidung beispielsweise B-Ware oder auch „2. Wahl“ kauft, der muss kleine Abweichungen der Farbe oder einen ungleichmäßigen Stoff akzeptieren. Denn durch die Wahl des Begriffs „B-Ware“ oder „2. Wahl“ kannte er den Fehler. In allen anderen Fällen gilt aber eine zweijährige Garantie, bei der in den ersten sechs Monaten sogar die Beweislast umgekehrt ist: Hier müsste der Händler nachweisen, dass das Gerät perfekt war und der Kunde Schuld am Defekt hat. Während dieser 2-Jahres-Frist kann der Händler das Gerät reparieren, austauschen oder den Kaufpreis ersetzen. Im Sinne der Garantiefristen und der Lieferung technisch einwandfreier Ware sind also der Einzelhandel und das Online Shopping gleichgestellt.

Online Shopping bedeutet Kauf ohne Risiko

Wenn man dies ganz deutlich formulieren möchte, dann ist jeder Kaufvertrag im Fernabsatzkanal nicht nur ein Kauf ohne Risiko, sondern sogar ein Kauf auf Probe. Denn dieser wird für den Kunden erst dann verbindlich, wenn er sein Widerrufsrecht nicht ausübt. Damit ist der Kunde sogar erheblich besser gestellt, als im traditionellen Einzelhandel. Denn dort reicht die Angabe „Gefällt mir nicht“ im Normalfall nicht für einen Umtausch gegen Bargeld aus.

Bild von: Marco Lensi – FotoliaSimilar Posts: